Hasseröder – Brauerei Teil 2

Briefkopf 20er Jahre Briefkopf Ende 30er Jahre


Im Jahre 1945 betrug die Leistung der Hasseröder Brauerei noch 39000 hl. Doch durch die Schwierigkeiten in den Nachkriegsjahren sank die Produktion bis auf ca. 22000 hl im Jahre 1949. Erst danach stieg sie wieder langsam an. Zu dieser Zeit wurde das Bier überwiegend in Holzfässern ausgefahren und nur etwa 20% wurden in Bügelflaschen abgefüllt.

Foto 1952, Archiv Klaus BuchmannAm 1. Februar 1955 wird der Betrieb in „Hasseröder Bierbrauerei Rudolf Lohse & Co. K.G.“ umgewandelt. Rudolf Lohse aus Badersleben war der Komplementär der Komanditgesellschaft. 1956 wurde dann eine staatlicher Beteiligung aufgenommen. Die Produktion umfast neben dem Vollbier sowohl das Pilsner, das einfache und doppelte Karamellbier, von November bis März das Briefkopf 50er JahreBockbier, als auch alkoholfreie Getränke wie Zitronenlimonade, „Orancia“- Fruchtsaftgetränke und „Cola-Gold“ mit Koffein. Weit über die Kreisgrenzen hinaus sind Hasseröder Biere bekannt und beliebt. 1961 wurden die staatlichen Anteile von der Investbank auf den „VEB Vereinigte Brauereien Magdeburg“ als Leitbetrieb übertragen.


Etikett 50er - 60er JahreEtikett 50er - 60er Jahre


Nach 1945 wurde das Bier zum größten Teil mit Pferdegespannen ausgefahren.Anzeige aus dem Jahre 1962 Anfangs standen nur wenige LKW zur Verfügung, die den Krieg überlebt hatten. Das letzte Pferdegespann von Erich Clemens fuhr mit Bier bis zum Jahre 1967 durch unsere Stadt. In Gemeinschaftsarbeit mit dem VEB Eisenhüttenwerk Thale und der Magdeburger Brauerei wurde das Aluminium-Bierfaß entwickelt und erstmals für die DDR im Jahre 1961 in der Hasseröder Brauerei erprobt. 1977 verließ das letzte Holzfaß die Brauerei. Etikett 50er JahreNachdem die Großgaststätten und die FDGB Ferienheime mit mehr als 200 Betten, mit Zapfstellenbehältern ausgerüstet waren, kamen ab 1969 auch Tankwagen für den Biertransport zum Einsatz. Ebenfalls im Jahre 1969 setzte eine Kesselhavarie die Wärmeerzeugung außer Betrieb. Ursprünglich wurden dazu ein Flammrohrkessel aus dem Jahre 1912 und ein Steilrohverdampfer verwendet. Nach dieser Havarie wurde in kürzester Zeit eine Fernheiztrasse zum Kreiskrankenhaus in der Ilsenburger Straße verlegt und damit der Anschluss an das Fernwärmenetz des VEB Metallgusswerk hergestellt.

In dem ehemaligen Pferdestall wurden zwei Flaschenabfüllanlagen installiert. Im Laufe der Jahre mehrfach aufgerüstet, wurde hier zum Teil noch bis 1986 das Flaschenbier abgefüllt.


Etikett, 50er - 60er JahreEtikett 50er/60er Jahre


Im Jahre 1972 erfolgte dann die Überführung des Betriebes in Volkseigentum als „VEB Hasseröder Brauerei“. Es beginnt eine unfangreiche Verbesserung und Modernisierung des Betriebes. 20 Millionen Mark an Investitionsmitteln werden aufgewendet, um die Produktion bei gleichbleibend guter Qualität auf das Zweieinhalbfache zu steigern. Briefkopf 80er Jahre1981 wird die Brauerei an das Getränkekombinat Magdeburg angeschlossen. Die größte Investition war der Bau einer Halle für zwei neue Flaschenabfüllanlagen, die ab 1987 in Betrieb genommen wurden. Der enorme Aufschwung unserer Hasseröder Brauerei, im Sozialismus, ist im hohen Maße auch Betrieben im Bezirk Magdeburg und Nordhausen zu verdanken, die Produktionsmaschinen für Brauereien herstellten. Als RGW – Auftrag (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) kamen von allen Neuentwicklungen dieser Betriebe die sogenannten „0-Serien“, bevor sie in den Export gingen, in der „VEB Hasseröder Brauerei“ zum Einsatz. Dadurch hatten wir in Wernigerode immer die modernste Brauerei der DDR.

Foto 1991, Archiv Klaus BuchmannNach der politischen Wende wurde 1990/ 91 die Hasseröder Brauerei von der Gilde Brauerei als Schwesterunternehmen aufgekauft und entwickelte sich in wenigen Jahren zum größten Unternehmen der Gilde-Gruppe, größer sogar als die Gilde Brauerei selbst. Durch die Hasseröder Brauerei weitete sich der Absatz von Gilde, welche sich bisher nur auf Norddeutschland beschränkte, deutschlandweit und darüber hinaus aus. Die Produktion stieg erheblich an, sodass  bei einem Jahresausstoß von 1,2 Mil. Hektoliter die Brauerei auf dem Gelände „Am Auerhahn“ an ihre Grenzen stieß. Im Gewerbegebiet Nordwest wurde eine neue Brauerei errichtet, eine der modernsten Produktionsanlagen in Europa. Ab 1996/97 bis 1998/99  erfolgte schrittweise der Umzug. Dieser Standortwechsel begann mit der Flaschenabfüllung und der Logistik. Im Jahre 2000 wurde dann die alte Brauerei stillgelegt und 2001 abgerissen, um das Gelände in ein Wohngebiet umzuwandeln. Ein Gedenkstein erinnert hier an den Ursprung der Hasseröder Brauerei.

Für die gute Unterstützung und Zuarbeit möchte ich mich bei Herrn Buchmann und Altbraumeister Herrn Förster ganz herzlich bedanken.


Bild zum Vergleich, aus Anzeige 1922Foto 2010, Otmar Groß