Hotel Neustädter Hof

Anzeige Tischlerei Holzheuer, 1897Anzeige Holzheuers Hotel, 1897

 

 

 

 

 

 

Diesen Beitrag möchte ich dem Haus Breite Straße 49 widmen. Fritz Holzheuer erwarb es käuflich im Jahre 1888 / 89 von einem Herrn von Bose, Rittmeister a.D.  und zog mit seiner Mäöbeltischlerei aus der Breiten Straße Nr. 79 hierher um. Im Oktober 1893 eröffnet er außerdem, nach umfangreichem Umbau, in diesem Haus ein „Hotel garni“, dem er aber bald darauf den Namen „Holzheuers Hotel“ gab. Die Werkstätte seiner Möbeltischlerei befand sich im Hofanbau des Hauses bzw. im Hinterhaus, mit dem Eingang von der Ringstraße aus.
Damit beginnt die Hotel-Geschichte des Hauses Breite Straße 49, das in 52 Jahren 14 verschiedene Besitzer hatte. Im Juli 1896 übernimmt Fritz Dröge das Hotel und gibt ihm nun den Namen „Neustädter Hof“. In den Räumen der ehemaligen Tischlerei eröffnet im Juni 1900 die Eisen- und Metallwaren Handlung von Ernst Friedhof, welche bis Ende der 80er Jahre hier ansässig war. Seit erster Hälfte der 20er Jahre unter der geänderten Adresse Ringstraße 55 und etwa ab dem Jahre 1930 auch unter dem neuen Name „Ernst Friedhof Nachfolger, Inhaber Paul Zierau“.

Hotel Neustädter Hof, 1913Das Hotel selbst wurde im April 1903 von Ernst Meyer übernommen. Von ihm übernahm es im Jahre 1914 Wilhelm Kohlbaum, welcher zuvor einen Handel mit Zigarren in der Gr. Dammstraße 17 b betrieben hatte. Ernst Meyer übernahm statt dessen das Hotel „Preußischer Hof“ in der Burgstraße 58. Im Hotel „Neustädter Hof“ folgten als Besitzer: im Dez. 1918 Wilhelm Geller, im Juli 1919 Oswald Meißner und im Dez. 1919 der aus Braunschweig kommende Gastwirt Gustav Bosse mit seiner Ehefrau Adele.
Der steigende Fremdenverkehr im Harz veranlassten ihn aber 1923 ein größeres Objekt zu übernehmen, das Hotel „Hohenzollern“, Ecke Pfarrstraße/ Hindersinstraße (heute Albert-Bartels-Straße), welches er von nun an als Hotel „Wernigeröder Hof“ führt. Den „Neustädter Hof“ verkaufte er im August 1923 an Ernst Hermann. Anzeige Neustädter Hof,19261925 verpachtet Witwe Anna Hermann, geb. Seevogel, das Hotel  an Gustav Bache und 1927 an den Oberkellner aus dem Gothischen Haus, Hermann Reuter. Im April 1933 übernimmt die Pacht Karl Jonas, stellt aber nach 5 Monaten, am 1.Sept.1933, den Hotelbetrieb gänzlich ein. Jedoch schon am 11.11. 1933 wurde das Hotel von Otto Struckmeyer, der zuvor das Hotel „Waldburg“ in Hasserode besaß, neu eröffnet. Doch auch seine Zeit hier war nicht von langer Dauer und so übergab er das Haus im Juli 1936 an einen Hans Kühne. Selber übernahm er das „Hotel Monopol“ in der Salzbergstraße. Auch Hans Kühne hielt es in der Breiten Straße 49 nicht mal ein Jahr aus und verkaufte das Hotel im April 1937. Nun wieder an Gustav Bosse jun., welcher das Hotel in „Haus Bosse“ umbenannte. Kurz darauf übernahm er auch das Hotel „Wernigeröder Hof“ seines Vaters.

Hotel Zum Schierker Feuerstein, um 1940Auf der zweiten abgebildeten Ansichtskarte ist an dem Haus deutlich der Name „Hotel Zum Schierker Feuerstein“ zu lesen. Dieser Name ist in einer Akte aus dem Jahre 1938 nachweisbar, taucht allerdings im Adressbuch des Jahres 1939/40 nicht auf, darin ist es noch als „Haus Bosse“ eingetragen. Im April 1939 lässt er die beiden Holzfiguren rechts und links neben der Eingangstür anbringen. 1942 wird das Hotel von der Militärverwaltung geschlossen und als Lazarett beschlagnahmt.  Da Gustav Bosse jun. seit 1944 in Russland vermisst wird, eröffnet am 30. Okt. 1945 seine Ehefrau Vera Bosse, geb. Pelz wieder das Hotel als „Haus Bosse“ und führt es bis 1951/52 unter diesem Namen. Danach wird das Hotel als Volkseigener Einzelhandelsbetrieb von der HO Gaststätten Kreis Wernigerode übernommen und als Hotel “Zur bunten Stadt“ geführt.

Breite Straße 49, 20091992 kauft der Immobilienmakler Jürgen Sallier aus Lüneburg die Häuser Breite Straße 49 bis 55. Als Nachkomme einer alt eingesessenen Wernigeröder Familie ist ihm viel an unserer Stadt gelegen. Das Haus Nr. 49 wird saniert und restauriert, wobei Jürgen Sallier sehr viel Wert auf Denkmalschutz und die Erhaltung im schönen Wernigeröder Stadtbild legt. Das Hinterhaus Ringstraße 55 musste jedoch neu gebaut werden, so das in 2 Jahren Bauzeit ein modernes Geschäftshaus entstand. Den Mittelpunkt der Anlage bildet der sehr hübsch angelegte „Brunnenhof“. Mit der Fertigstellung 1995 wurde Wernigerode um ein Prachtstück reicher.
Im Erdgeschoss des ehemaligen Hotels in der Breiten Straße befindet sich seit Dezember 1994 Cafe Steinecke. Außerdem sind  in dem Komplex mehrere Geschäfte, verschiedene Büroräume und Wohnungen untergebracht.

(Für die guten Informationen und Zuarbeiten möchte ich mich ganz herzlich bei Herrn Host Sallier bedanken.)


Briefkopf Ernst Friedhof, 1916Briefkopf Haus Bosse, 1945

 

 


Vorderseite eines Faschings-Tischaufsteller in HO Gaststätten, 60er Jahre Rückseite des Faschings-Tischaufsteller in HO Gaststätten, 60er Jahre

 

 

 

 

Vorderseite einer Silvester-Klappkarte 1966, HOG "Zur bunten Stadt"Rückseite der Silvester-Klappkarte 1966, HOG "Zur bunten Stadt"

 

 

 

 

 

 

 

Innenseite der Silvester-Klappkarte 1966, HOG "Zur bunten Stadt"