Das Gasthaus und der Kaiserturm auf dem Armeleuteberg

Der Armeleuteberg hieß ursprünglich, zu Ehren des Hl. Petrus, Petersberg. Auf Bitten der Stadt verfügte Graf Heinrich zu Stolberg Wernigerode am 1. Mai 1464 die Schenkung des Berges mit seinem Forst zur Nutzung an das Georgi-Hospital. „… den armen sichenluten vorm Westerenthore zcu sanet Jurgenzcu ewigen geciten“. Damit wechselte der Berg auch seinen Namen in „der armen lude holt“ und 1671 in „Armeleuteberg“. Die „armen Leute“ nannte man damals die Aussätzigen die vor der Stadt lebten und nun die Möglichkeit bekamen auf diesem Berge ihr Holz zu holen.

 

Am 7. Februar 1869 verstarb in Berlin der Kaufmann und ehemalige Stadtrat von Wernigerode Ferdinand Ahrends. Da er zu Lebzeiten ein fröhlicher Wandersmann war, vermachte er im Testament neben 100 Talern für die Armen auch 50 Taler zur Verschönerung der Harburg und zur Anlage eines kleinen Rasthauses an der Steinernen Renne. Wie es jedoch die Zeit so will, bestand bereits seit einem Jahr ein kleines Rasthaus an der Steinernen Renne und an der Harburg war der Verschönerungsverein von Nöschenrode gerade im Begriff, dass bisherige Schutzhäuschen zu einem Gasthaus umzubauen. So glaubte der Rat der Stadt auch im Sinne des Verstorbenen zu handeln und das Geld einem anderen Ausflugsziel zuzuwenden, dem Armeleuteberg. Hier sollte nun ein kleines Häuschen Schutz und Rast bieten. Zum Pfingstfest 1875 wurde die Schutzhütte mit dem Namen „Ahrendshäuschen“ hoch oben auf der kahlen Kuppe des Berges eingeweiht. Da es hier keinen Ausschank gab, wurden Bier und Kaffee extra herangeschafft.

 

Kaiserturm auf dem Armeleuteberg, Ansichtskarte 1910Seit dem 1. September 1902 erhebt sich auf der obersten Kuppe des Armeleuteberges, anstelle des ehemaligen Ahrendshäuschens der „Kaiserturm“. Gestiftet wurde dieser etwa 15 bis 18 m hohe Aussichtsturm von dem Rentner Eduard Lührmann aus Essen,der von 1900 an 4 Jahre in unserer Stadt lebte. Als Ersatz für das Ahrendshäuschen wurde ein Stück unterhalb der Bergkuppe eine neue Schutzhütte errichtet.Schutzhütte am Kaiserturm, Ansichtskarte 1906

 

Im Jahr 1905 ergriff dann der sehr rührige Sauerbrunnenfabrikant Karl Ermisch aus der Pfarrstraße die Initiative die fehlende Gaststätte auf dem Armeleuteberg zu errichten. Am Försterplatz ließ er erst einen Brunnen graben, um dann oberhalb auf  einem extra geebneten Plateau ein stattliches, zweistöckiges Haus zu errichten. Am 20. Mai 1906 wurde es als „Berghotel Armeleuteberg“ mit Restaurant und 6 Fremdenzimmern eingeweiht. Erster Pächter war Ewald Ritter.Berghotel Armeleuteberg, vor dem Band,  Ansichtskarte 1910

Jedoch traf ein schweres Schicksal nach noch nicht einmal 5 Jahren das Hotel. In der Nacht vom 16. zum 17 Februar brannte das Haus restlos nieder. Der Pächter Louis Rockstedt und das Dienstmädchen konnten nur noch ihr Leben retten.

Danach übernahm die Stadt selber noch im gleichen Jahr den Wiederaufbau. Ein schöneres, größeres uns stattlicheres Hotel wurde am 15. Dezember 1911 für die Besucher eröffnet. Der nun Briefkopf 1913langjährige Pächter Heinrich Großhennig öffnete das Restaurant nun auch für Tanzveranstaltungen, die ungeachtet des dunklen Heimweges gern und regelmäßig besucht wurden. Immer auf Modernisierung bedacht,Anzeige 1928 ließ er zum Beispiel im Jahr 1921 eine elektrische Lichtanlage in das Haus einbauen und 1935 eine Unterstellhalle für Autos einrichten.

 

Am  30.9.1945 wurde Heinrich Großhennig wegen Zugehörigkeit zur NSDAP die Konzession zum Betrieb des Berghotels entzogen. Als neuer Pächter erhielt Oskar Lehmann die Betriebserlaubnis, welche ihm jedoch 1949 ebenfalls wieder entzogen wurde. Am 1.7.1949 übernahm dann Luise Lange geb. Riemenschneider den Briefkopf 1965Betrieb der „Berggaststätte Armeleuteberg“.

Am 31.12.1970 kündigt Frau Lange aus gesundheitlichen Gründen den Pachtvertrag mit der Stadt, worauf  der HO Gaststättenbetrieb am 17.2.1971 die „Gaststätte Armeleuteberg“ übernahm. Als Kommissionshändler der HOG führte  anfangs Erhard Lange das ehemalige Gasthaus seiner Mutter weiter.HO Gaststätte Armeleuteberg, 1973, Verlag E. Riehn Nach Rückgabe der HO an die Stadt 1987 ging die Pacht an die Familie Krebs, welche eigenständig die Renovierung übernahm und 1988 wieder eröffnen konnte. Mehrfach erhielt die Gaststätte Armeleuteberg, für ihre vorbildliche Leistung bei der gastronomischen Betreuung, die Auszeichnung als „Gaststätte der Harzer Gastlichkeit“. 1990 wurde das gute und sehr empfehlenswerte Gasthaus privatisiert und wird heute in 2. Generation von Steffen Krebs geführt.

 

Zum Schluss soll auch noch an die erste Rodelbahn von Wernigerode erinnert werden. Am 14. Februar 1908 trafen sich mehr als 20 Personen im Hotel „Weißer Hirsch“ um einen „Harzer-Wintersport-Verband in der Grafschaft Wernigerode zu gründen. Als Vorstandsmitglieder für die Stadt wurden Oberförster Koch und die Kaufleute Ottenberg, Eigendorf und Niehoff gewählt. Zwar war das Rodeln schon im 19. Jahrhundert eine beliebte winterliche Freizeitbeschäftigung, so sah der Verband doch als wichtigste Aufgabe, die Anlegung einer offiziellen Rodelbahn. Ausgewählt wurde der Nordhang des Armeleuteberges und schon im September des Jahres begann der Bau. Mit einem Kostenaufwand von 1500 Mark konnte die Wintersportanlage am Rodelbahn vom Armeleuteberg in das Salzbergtal, Ansichtskarte um 1912, Stadtarchiv Wernigerode29. Dezember 1908 eingeweiht werden. Am oberen Organistenweg in der Nähe des Berggasthauses lag der Start, führte steil den Hang hinunter, bog in die sogenannte Kuhtrifft zur Helenenbuche ein und hatte auf dieser Teilstrecke ein Gefälle von 21 Prozent. Nach einer erneuten Kurve endete die Bahn auf der Wiese im Bibenstal. Ihre Gesamtlänge betrug 1400 Meter. Rodelbahn vom Armeleuteberg in das Salzbergtal, Ansichtskarte um 1913, Stadtarchiv WernigerodeUm Unkosten und Instandhaltung zu decken sollte eine kleine Nutzungsgebühr erhoben werden, was jedoch später zu Schwierigkeiten führte. Am 16. Dezember 1909 feierte dann Wernigerode hier das erste eigene Wintersportfest. Über 100 Teilnehmer trafen sich auf der Bahn im Salzbergtal und rund 1000 Zuschauer verfolgten die Wettkämpfe, die mit einem ersten Wintersport-Ball im Hotel „Monopol“ beendet wurden. 



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